Heraldischer Verein "Zum Kleeblatt" von 1888 zu Hannover e.V.
Trägerverein der Niedersächsischen Wappenrolle (NWR)

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Namensstamm statt Mannesstamm

 

(Quellen:  Müller-Bruns, Dieter:  Wappenrecht - Schutz des Wappens, Kleeblatt - Zeitschrift für Heraldik und verwandte Wissenschaften, Ausgabe 4/2005, S. 13 ff.;  als umfangreiche Ergänzung: Über die Grundzüge des sogenannten Wappenrechts, Kleeblatt - Zeitschrift für Heraldik und verwandte Wissenschaften, Ausgabe 1/2011, S. 59 ff.. Ders.: Überlegungen zu Grundzügen des Wappenrechts, in HEROLD-Studien Band 9: Wappen heute – Zukunft der Heraldik? Eine Historische Hilfswissenschaft zwischen Kunst und Wissenschaft, S. 33 ff., 2014. Ders: Wappenrechtliche Aspekte von Familienwappenrollen - Teil 2 bis 4, Kleeblatt, Zeitschrift für Heraldik und verwandte Wissenschaften, Ausgaben 2/2015 sowie 1 + 2/2016, siehe www.wappenkunde-niedersachsen.de  -  Peter, Bernhard: Rund um die Wappenführung: Weitergabe von Wappen in der Familie, www.dr-bernhard-peter.de)

Die auf dieser Seite benutzte männliche Form von Begriffen wie „Wappenstifter" etc. (generisches Maskulinum) gilt gleichwertig für männliche und weibliche Personen.

 

Hinsichtlich der Wappenführung und Wappenweitergabe möchten Wappenstifter manchmal noch eine Führungsberechtigung für sich und die übrigen Nachkommen im Mannesstamm festlegen. Mit dieser Erklärung würde jedoch den Kreis der Führungsberechtigten auf nur diejenigen beschränkt, die ihren Familiennamen über den Vater erworben haben (= Mannesstamm).

Der Heraldiker Dr. Bernhard Peter (Kleeblatt / KMdH) führt hierzu erläuternd aus, dass diese Form der Weitergabe bedeutet, dass ein Wappen von allen Nachkommen im Mannesstamm des ersten Wappenträgers geführt werden kann und dass die jeweiligen Nachkommen beiderlei Geschlechts jeweils einer (!) Generation Anspruch auf das Wappen des jeweiligen Vaters haben, soweit und solange noch der Familienname getragen wird. Dadurch haben Töchter ebenfalls Anspruch auf das Wappen ihres Vaters, geben dieses aber an ihre Kinder (die nach der vormaligen traditionellen Auffassung allein den Familiennamen des Ehemannes erhalten) nicht weiter. Da die Söhne und deren Söhne usw. Wappen und Familiennamen gleichermaßen an ihre Nachkommen weitergeben, entsteht im Laufe der Generationen der sog. Mannesstamm. Alle Söhne jeder Generationsebene dürfen das Wappen führen und weitergeben, alle Töchter aus einer Generationsebene dürfen das Wappen führen, aber nicht weitergeben. Man spricht beim Mannesstamm auch von agnatischer Abstammung. Alle ehelichen, legitimen Söhne und Töchter einer Ausgangsperson gehören dazu.

Eine solche Festlegung der Führungsberechtigung im Mannesstamm wird heute gesellschaftlich und juristisch sehr kritisch gesehen. Für die Einhaltung von Sinn und Zweck der gewohnheitsrechtlich geprägten wappenrechtlichen Grundsätze ist eine derartige Festlegung zudem überhaupt nicht erforderlich. Daher tritt der Jurist und Heraldiker Dieter Müller-Bruns (Kleeblatt / MdH) seit Jahren in seinen Aufsätzen und Seminaren für die konsequente Anwendung des reinen Namens- und Nachkommenschaftsprinzips (= Namensstamm) ein


Es gibt laut Müller-Bruns bei der Wappenführung im Namenstamm zwei zwingende Voraussetzungen:

  • Nachkommenschaft von Mann und Frau vom Wappenstifter bzw. ersten Wappenträger,

  • soweit und solange sie aktiv den Familiennamen des Wappenstifters führen.

Der Jurist weist hierzu kritisch darauf hin, dass das Recht an einem Familienwappen auf dem Gewohnheitsrecht beruht. Als Gewohnheitsrecht lebt es durch die Handhabung der Betroffenen und Verantwortlichen. Es entzieht sich damit nicht einem bedeutenden gesellschaftlichen Wertewandel. Auch dürfen die auf dem Gewohnheitsrecht beruhenden Grundsätze bei ihrer Anwendung nicht gegen kodifiziertes Recht verstoßen. Die Fortentwicklung dieser Regelungen mit dem Ziel, ihren historisch gewachsenen Sinn zu erhalten und dem Wappenwesen als Kulturgut in der Öffentlichkeit weiterhin Geltung zu verschaffen, muss Ziel der gemeinnützigen Tätigkeit der heraldischen Vereine und ihrer Wappenausschüsse sein.

Daher bedarf es laut Müller-Bruns einer verfassungs- und gesetzeskonformen Handhabung auch durch diese Einrichtungen. Mit einer Festlegung des Mannesstammes wird jedoch denjenigen Nachkommen, die ihren Familiennamen über die Mutter erworben haben, die Führung des Wappens als gemeinsames Kennzeichen der Familie ausdrücklich verwehrt. Das bedeutet: Wenn jemand einen Sohn und eine Tochter hat und beide behalten ihren Geburtsnamen, geben ihn auch an die Kinder als Familiennamen weiter, so dürfen zwar die Kinder des Sohnes, nicht aber die der Tochter das Wappen der Familie führen, obwohl alle denselben Familiennamen tragen und direkte Nachkommen sind.

Nachfragen bei Wappenberatungen und Informationsveranstaltungen für Wappenstifter sowie heraldisch Interessierte ergaben in den vergangenen Jahren, dass den Wappenstiftern dies häufig selber kaum bewusst war. Die überholte Formulierung des Mannesstamm wurde ihnen vielmehr früher häufig durch Heraldiker für die festzulegende Führungsberechtigung vorgegeben. Die Formulierungen wurden regelmäßig ohne ein weiteres Hinterfragen abgeschrieben.  Eine wirkliche Beschränkung der Weitergabe der Führungsberechtigung nur auf die Familien der ehelichen Söhne wurde von den befragten Personen nur in den seltensten Fällen wirklich gewünscht. Nach einer solchen Beratung bestimmten die Wappenstifter allgemein eine Führungsberechtigung im Namensstamm. Dies gilt auch für die Wappenstifter von älteren Familienwappen.

Beim Namensstamm sind ein bestimmtes Geschlecht und eine Ehelichkeit der Nachkommen keine Voraussetzungen, siehe: reines Namens- und Nachkommenschaftsprinzip! So ist es beispielsweise der Enkelin eines Wappenstifters nicht versagt, das Wappen ihres Großvaters zu führen, nur weil sie das nichteheliche Kind seiner Tochter ist, wenn sie als seine Nachkommin den Familiennamen ihres Großvaters trägt.

 

 

Niedersächsische Wappenrolle (NWR):
Festlegung der Führungsberechtigung im Namensstamm

Der 1888 gegründete Heraldische Verein "Zum Kleeblatt", Trägerverein der Niedersächsischen Wappenrolle, rät bereits seit 2005 bundesweit zu einer Wappenstiftung im Namensstamm.

Ein Familienwappen ist das gemeinsame und generationsübergreifende persönliche Kennzeichen einer bestimmten, durch seinen Namen und die Nachkommensgemeinschaft abgegrenzten Familie. Eine Festlegung der Führungsberechtigung im Namensstamm – also auf eine verfassungskonforme und anerkannte Regelung – ist nach heutigem gesellschaftlichen und rechtlichen Verständnis (Müller-Bruns) als wichtig und geboten anzusehen. Die Familienidentität kann – immer zusammen mit dem Familiennamen – in männlicher und in weiblicher Linie nachvollziehbar weitergegeben werden.  

Das Recht an einem Familienwappen ist ein neben dem rechtsähnlichen Namensrecht stehendes Gewohnheitsrecht zur Kennzeichnung der eigenen Familie. Es enthält ein Namens- und Nachkommenschaftsprinzip. Mit der Festlegung einer Weitergabe im Namensstamm werden Sinn und Zweck der wappenrechtlichen Grundsätze eingehalten. Das geltende Statut der Niedersächsischen Wappenrolle sieht bei Neueintragungen allein die Festlegung der Führungsberechtigung im Namensstamm vor.

NWR-Formulierung der Führungsberechtigung im Namensstamm:
„Führungsberechtigt sind neben dem Wappenstifter seine Nachkommen, soweit und solange sie noch den Familiennamen des Wappenstifters, auch als Teil eines Doppelnamens, führen.“

 

 

Hinweis:

Die verantwortlichen Bearbeiter der Wappenrollen in den heraldischen Vereinen "Zum Kleeblatt" (Hannover), "Herold" (Berlin) und "Der Wappen-Löwe" (München) bekennen sich bei der Festlegung der Führungsberechtigung ausdrücklich zur vorrangigen Anwendung des Namens- und Nachkommenschaftsprinzips (= Namensstamm).  

 

 


 

Namens- und Nachkommenschaftsprinzip

Die wappenrechtlichen Grundsätze stellen strenge Regeln für die Wappenführung auf. Als Gewohnheitsrecht lebt das sog. Wappenrecht jedoch durch die Handhabung der Betroffenen und Verantwortlichen. Es entzieht sich damit grundsätzlich nicht einem bedeutenden gesellschaftlichen Wertewandel. Auch darf ein Gewohnheitsrecht bei seiner Anwendung nicht gegen die bestehende Rechtsordnung verstoßen.
 

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